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ddr
ddr als markenlogo auf den werbetafeln des bahnhofs alexanderplatz
u2
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Im Jahr 1990
wurde der Staat DDR aufgelöst und die neu entstandenen
Länder traten der ehemaligen Bundesrepublik bei.
Was nach dem Fall der Mauer passiert ist, wie und unter
welchen Prämissen die Wiedervereinigung stattgefunden
hat - hierüber existieren sehr unterschiedliche Meinungen.
Dieser komplizierte Transformationsprozess, den Deutschland
durchgehen musste und immer noch geht, ist ein zentrales
Thema im vorliegenden Projekt.
Dieser Prozess spiegelt sich in der Transformation wider,
die die Bezeichnung DDR in meinem Projekt durchläuft.
Die Abkürzung für den sozialistischen Staat
wird zu einem Markenlogo.
Die ddr-Logos wurden in einer Nonprofit-Zusammenarbeit
mit dem 52NORD Designbüro in Berlin-Mitte entwickelt
und grafisch ausgearbeitet.
Die Logos auf den Werbeflächen sollen an bekannte
Warenlogos erinnern, ohne dass sie sich deutlich zu erkennen
geben. Sie spielen mit Ostalgie und der Wiedererkennung
von Marken, die für den Westen standen. Eine eindeutige
Identifizierung wird bewusst vermieden. Durch starke Farbkontraste
treten sie deutlich in den Vordergrund und markieren den
U-Bahnhof.
Aage Langhelle
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Politik, Aktion
und Kunst
- die Stadt als demokratischer Erfahrungsraum
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Ein Diskurs
über Urbanität, städtische Gestaltung und
Kommunikationsstrategien im öffentlichen Raum kann
existierende Gesellschaftsstrukturen potentiell offen
legen und alternative Modelle aufzeigen. Modelle die in
der Praxis ein breiteres Erfahrungsfeld beinhalten, als
es der urbane Raum heutzutage seinen Einwohnern/Benutzern
anbieten kann. In einem solchen Diskurs lege ich Wert
auf den öffentlichen Raum als soziale Arena, in dem
die Kommunikation zwischen den Einwohnern der Stadt eine
zentrale Stellung einnimmt. Wer kommt in der heutigen
Gesellschaft zu Wort und welche Form nimmt dieses Sprechen
an? Wie man mit Kunst und Kunstprojekten im öffentlichen
Raum umgeht ist selbstverständlich davon abhängig,
wie man sich selbst gegenüber dem Begriff Kunst verhält
und welche Position man im öffentlichen Raum und
in der politischen/kulturpolitischen Landschaft einnimmt.
Meiner Ansicht nach kann ein Großteil unserer öffentlich-
visuellen Symbolproduktion, direkt oder indirekt, als
ein Beitrag zu Meinungsbildungsprozessen betrachtet werden.
Dieses zu problematisieren war eine maßgebliche
Intention in meinem ddr-projekt - das in einer situationistischen
Tradition steht, und sich darüber hinaus auch einer
Adbuster-Strategie bedient.
Mein Projekt, in dem die Buchstaben ddr in die aktuelle
Warenwelt der kommerziellen Logos transportiert wurden,
bekam - wie gewünscht - viel Aufmerksamkeit und wurde
lebhaft kommentiert. Das Spektrum von Reaktionen reichte
von der Graffiti-Gruppe cbs, die - unter Verwendung einer
eingeschränkten Auffassung von der gesellschaftskritischen
Nutzung des öffentlichen Raums - bemängelte,
das Projekt lasse eine kritische Auseinandersetzung mit
den Mechanismen der Werbung vermissen, bis hin zu Politikern
im Berliner Abgeordnetenhaus1, denen ddr absurderweise
wie eine Verherrlichung des ehemaligen Unrechtsstaates
vorkam. ddr stieß beim Publikum und auch in der
nationalen und internationalen Presse auf reges Interesse
- über 30 Printmedien sowie mehrere Radio- und TV-Sender
berichteten über das Projekt.
In einer kleinen Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus
wollte der F.D.P.-Abgeordnete Krestel von der zuständigen
Senatsverwaltung wissen, ob die Signets nicht ein Unrechtssystem
verherrlichen würden, während eine Sprayergruppe
auf dem Bahnhof in einer Nacht- und Nebelaktion eine Plakatwand
gegen ihr eigenes Logo CBS austauschte. Nach geraumer
Zeit tauchte die von CBS entwendete ddr - Plakatfläche
plötzlich wieder auf – gut sichtbar montiert
an die Fassade des Kaufhofes am Alexanderplatz.
Aage Langhelle
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